Grödner Joch in den Dolomiten: keine Durchfahrt mehr ab 1. September 2026?

  • Nach übereinstimmenden Berichten lokaler Südtiroler Medien sowie der staatlichen italienischen Rundfunkanstalt Rai ist eine neue verkehrsberuhigte Zone geplant: am beliebten und entsprechend vielbefahrenen Grödner Joch in den Dolomiten. (motorradonline.de)


    So zumindest die "Kernaussagen" diverser Online-Medien... was einige schon länger befürchtet hatten, scheint sich zu bewahrheiten: Motorrad-, aber auch Auto- und Wohnmobilfahrer, welche die Dolomiten und deren Pässe besuchen, müssen sich auf Einschränkungen einstellen.


    Sei es durch komplette oder teilweise Sperrungen ganzer Strecken oder Ortsdurchfahrten - wenn man dann kein Anlieger ist oder möglicherweise sein Hotel nicht inmitten der Gebiete hat - die Streckenplanung wird anspruchsvoller...


    Das wird vermutlich bereits vorher einige abschrecken und die örtlichen Übernachtungsbetriebe werden dies auch spüren. Oder aber jetzt noch mal schnell dorthin, bevor es zu ist... wir werden sehen. Ich persönlich finde es schade, wenn man aber die letzten Jahre öfters dort war, und den teilweisen "motorisierten Wahnsinn" live mitbekommen hat (nicht nur durch Motorräder) - ehrlich: mich wundert es nicht.


    Wir waren vor einiger Zeit mal direkt am Jaufenpass im Hotel Jägerhof auf ein langes Wochenende - das willst Du nicht haben: das Hotel liegt am Ende einer Geraden vor einer S-Kurve - frage nicht. Und das sind nicht nur die Mopeds gewesen, sondern allen voran Sportwagen aller Art - vom Porsche bis zum Ferrari. An ein entspanntes Kaffeetrinken auf der Hotel-Terrasse war nicht zu denken...


    Ich bin der Letzte, der alle über einen Kamm schert, aber an den Sperrgelüsten der Anlieger und örtlichen Behörden - da haben Brülltüten-Liebhaber und Drehzahl-Ausreizer schon ihren Anteil dran.


    Und wenn uns da nix einfällt, dann wird das sicher erst der Anfang sein und noch viel mehr Gebiete werden nachziehen.

    Beste Bikergrüße, Michi


    Übrigens: bevor i mi aufreg, fahr i lieber Moped... ;)

  • Ich kann das alles SO gut nachvollziehen .. die Zufahrtsstrassen zu den grossen Pässen sind seit Jahren eine mittlere Katastrophe, weil gefühlt Alles und Jeder in die Berge muss. Insbesondere die Sella-Ronda ist schon seit Jahrzehnten dafür bekannt, hilflos unter die Räder zu kommen.


    Ich habe in den letzten drei Jahren ein halbes Dutzend Mal in den Dolomiten übernachtet - und sowohl von Anliegern, Hoteliers und Gastwirten unisono erfahren: Es ist zu viel. Viel zu viel.


    Das geht soweit, dass Hoteliers Dir beim Einchecken sagen, froh zu sein, dass ihr Haus abgelegen liegt und sie deswegen nicht im Gäste-Tsunami untergehen.


    Auf andere Verkehrsteilnehmer braucht man dabei gar nicht mal mehr mit den Fingern zu zeigen. Es sind zuviel Radfahrer, zuviel Wohnmobilisten, zuviel Motorradfahrer, zuviel Wanderer, zuviel Autofahrer, zuviele Reisebusse.


    Krass, dass mein 2024er Aprilscherz nun - in "brutalerer" Form - wohl Wirklichkeit werden wird:

    Dolomiten 2024 – Neue Einschränkungen | MotorProsa
    Ab Juni 2024 wird in den Dolomiten auf innovative Weise versucht, die Belastung durch den motorisierten Verkehr zu reduzieren. Alle Details jetzt auf…
    www.motorprosa.com


    Griass aus dem Vinschgau, einem ebenfalls unter die Räder kommenden Tal,

    JvS

    Motorprosa • Geschichten aus der Kurve
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  • Nachtrag:

    Mit das Irrste, was ich in den Dolomiten - konkret an der Strasse zum Sellajoch - gesehen habe, war eine Parkscheiben-Pflicht auf den kleinen Haltebuchten am Strassenrand. Maximale Parkdauer: 30 Minuten.

    Und ich erinnere mich an ein Gespräch in einer Almhütte, damals, als wir für die Produktion des Sella-Passportraits unterwegs waren und einen Einkehr-Tipp suchten - also quasi Gratis-Werbung in Europas grösstem Motorradmagazin:

    "Uns braucht Ihr nicht nennen, wir haben bei Weitem Gäste genug .. "

    Irre ..

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  • Schade aber irgenwie kann ich´s nachvollziehen. Wir haben das letzes Jahr alles "live" erlebt


    Gruß aus Ulm

    Die NTV-Touristen Gerhard und Ines


    What you gotta loose, you know?

    You come from nothing

    you´re going back to nothing.

    What you lost? Nothing!


    Monty Python

     


  • Das letztemal, dass ich in den Dolos war ist mindestens 5 Jahre her. Und das war im Spätherbst -Zwischensaison- und es war tote Hose. Wir hatten Probleme, eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, weil das meiste geschlossen war. Es war auch schon recht frisch mit Reif auf der Straße am Vormittag, also auch nicht optimal zum Motorradfahren.


    Dass ich in der Hochsaison dort war, ist abgesehen von Durchfahrten sicherlich länger als 10 Jahre her. Und schon damals war es mir zu voll. Bevor man mich aussperrt, fahr ich da freiwillig nicht mehr hin. Mir macht Motorradfahren im Gewusel zwischen Rennradfahrern und Wohnmobilen auch überhaupt keinen Spaß. Man muss dort nicht hinfahren, nur weil dies alle tun. Es gibt genügend andere schöne Gegenden.


    Die Anwohner kann ich absolut verstehen.

    A Hercules E1 >>> Honda CY 50 >>> Kawasaki GPX 750 R Ninja >>> Yamaha XV 1100 Virago >>> BMW R 1100 R Roadster >>> Suzuki VS 1400 Intruder >>> Triumph 1200 Daytona >>> BMW R 1200 C Cruiser >>> Moto Guzzi V85TT Ω

  • Wir waren letztes Jahr im Oktober noch da.

    Nach den Ferien. Es war ziemlich entspannt und wenig los auf den Straßen. Natürlich musst Du dann mit Minustemperaturen in der Früh rechnen, aber es gibt halt auch kein schlechtes Wetter, nur falsche...usw.

    Wenn die Streckensperrungen immer mehr zunehmen wird es schwierig, noch sinnvolle Touren in den Dolos und Österreich zu machen. Aber man muss auch die Anlieger verstehen.

    Beste Bikergrüße

    Willi


    Tu erst das notwendige, dann das mögliche, und plötzlich schaffst Du das unmögliche! :thumbup:

  • Hallo ,

    meine Frau und ich gingen über Jahrzehnte für jeweils zwei Wochen zum Mopedfahren in die Dolomiten .

    Schon damals nahmen wir die mittleren Juniwochen , da dann der Verkehr dort noch erträglich war .

    Als wir das letzte Mal vor Corona aus versehen die mittleren Juliwochen genommen hatten war für mich klar - diese Verkehrslage macht keinen Spaß und Sinn mehr , zudem überall 60 km/h Beschilderungen , wenn man sie wenigstens Fahren könnte .

    Seitdem hat mich nichts mehr in die Dolomiten gezogen , obwohl wir dort gerne hingegangen waren .

  • Wenn die Sperrungen immer mehr werden, müssen wir eben dahin fahren, wo wir willkommen sind.

    Schließlich bringen wir ja auch einen gewissen Umsatz in die Region (Übernachzung, Essen, Trinken...)

    Beste Bikergrüße

    Willi


    Tu erst das notwendige, dann das mögliche, und plötzlich schaffst Du das unmögliche! :thumbup:

  • Langsam, aber sicher nimmt das heiß diskutierte Thema Formen an... Heute zu lesen bei @motorradonline.de


    Komplette Sella-Runde bald verkehrsberuhigt?

    Am Grödner Joch wird 2026 eine verkehrsbeschränkte Zone getestet, die die Zufahrt auf 150 Fahrzeuge täglich begrenzen könnte. Ziel ist die Ausweitung auf weitere Dolomitenpässe. Die Regelung soll ab 2027 jährlich fünf Monate gelten.


    "ZTL" lautet das Kürzel, das sich Pässefahrer in den Dolomiten künftig merken sollten. Denn eine solche "Zona a Traffico Limitato" (verkehrsbeschränkte Zone) soll am Grödner Joch in Südtirol in Kürze eingerichtet werden. Nach Wolkenstein hat auch Corvara einen entsprechenden Beschluss gefasst – und damit also die beiden Gemeinden, zwischen denen die rund 20 Kilometer lange Passstraße liegt.


    Zufahrt auf 150 Fahrzeuge beschränkt im Testzeitraum

    Im September und Oktober 2026 findet ein Testlauf statt, der die tägliche Zufahrt auf voraussichtlich 150 Fahrzeuge beschränkt; dazu zählen neben Motorrädern und Autos auch Reisebusse. Verläuft der Test erfolgreich, soll die Regelung ab 2027 alljährlich fünf Monate lang gelten, wahrscheinlich von Mitte Mai bis Mitte Oktober.


    Wie genau die Umsetzung aussehen soll und vor allem, ob noch mehr Dolomitenpässe folgen sollen, dazu wollen weder die Gemeinden noch die Südtiroler Landesregierung derzeit weitere Informationen herausrücken. Öffentlich einsehbar sind nur die Gemeindebeschlüsse, in denen von einer Arbeitsgruppe die Rede ist, die einen Projektvorschlag für die Umsetzung erstellt hat.


    Auf Anfrage von MOTORRAD schickte die zuständige Stelle der Südtiroler Landesregierung nur eine sehr allgemeine Stellungnahme, in der von der "wachsenden Belastung" der Bevölkerung durch den zunehmenden Verkehr und von Beeinträchtigungen "der Urlaubsqualität der Gäste und der Verkehrssicherheit" die Rede ist. "Nähere Details", so hieß es, würden "zu gegebener Zeit" kommuniziert.


    Zone soll auf weitere Dolomitenpässe ausgeweitet werden

    Trotz dieser Abfuhr gelang es MOTORRAD, den Projektvorschlag einzusehen. Der gilt erst mal nur fürs Grödner Joch; allerdings heißt es ausdrücklich, es sei das Ziel, die verkehrsberuhigte Zone "möglichst bald auf weitere Dolomitenpässe auszuweiten", einschließlich einer Zeichnung, in der auch verkehrsberuhigte Zonen am Sella- und Pordoi-Joch sowie dem Campolongo-Pass aufgeführt sind – also auf der kompletten Sella-Runde.


    Das Grödner Joch startet in diesem Szenario als Versuchsballon. Freie Fahrt haben dort in der Testphase und auch später nur Einwohner und Gäste von Hotels oder Restaurants entlang des Passes. Selbst Touristen, die in umliegenden Gemeinden übernachten, dürfen das Joch nur zur An- und Abreise befahren. Alle übrigen müssen vorab im Internet einen der vorgesehenen "Rotationsparkplätze" auf dem Joch reservieren.


    Na dann schau mer moi... Didi und ich werden Ende Mai auf der Rückreise von der Kor(Sar)en Tour wohl für die nächste Zeit das letzte Mal ohne Einschränkungen durch die Dolos fahren.

    Beste Bikergrüße, Michi


    Übrigens: bevor i mi aufreg, fahr i lieber Moped... ;)

  • Letztes Jahr im Oktober waren wir nochmal (vermutlich auch das letzte mal) in dieser Gegend. auch wenn man die Anwohner verstehen kann, wäre es doch sehr schade, wenn diese wunderbaren Strecken für uns Biker nicht mehr zu befahren wären.

    Es sind nicht nur die tollen Kurven sondern auch die gradiose Landschaft, die das ganze so reizvoll für einen Besuch gemacht hat. Mal shauen, wie es dann mit den Beherbergungsbetrieben weitergeht.

    Beste Bikergrüße

    Willi


    Tu erst das notwendige, dann das mögliche, und plötzlich schaffst Du das unmögliche! :thumbup:

  • Das könnte die Gästestruktur etwas verschieben z. B. zu Wanderern und Radfahrern. Ich glaube nicht, dass die Maßnahme auf Dauer den Unterkunftsbetrieben schadet. Im Gegenteil - für die oben genannten Zielgruppen dürften die Dolomiten deutlich attraktiver werden.

  • Hallo ,

    für die meisten Motorradfahrer sind die Dolomiten nur ein Durchgangsort , wo man nicht großartig Nächtigt - sondern eher nur durchfährt oder max. 2-3 Tage nächtigt .

    Da lassen Skifahrer natürlich ganz andere Summen liegen .

    Auch Radfahrer und Wanderer verbringen dort wesentlich mehr Zeit als Motorradfahrer .

    Wie es bei den Bussen ausschaut kann ich nicht sagen - aber zumindest halten sie den Liftbetrieb am Leben .

    Ich denke nicht , daß das Wegbleiben einiger Mopedfahrer sich dort richtig bemerkbar macht - außer bei der Geräuschkulisse , da ja Heutzutage solch ein Reihenvierzylinder möglichst viel PS haben muß - das die meisten Firmen durch hohe Drehzahlen realisieren !

    Früher hatte solch eine Tausender bei 8000 - 9000 U/min eine Leistung von 90 - 120 PS und ihren Drehmomentzenit vielleicht bei 6000 U/min und keine Rennstreckengetriebeübersetzung wo der 1. Gang bis 150 km/h reicht - was in den Bergen furchtbar Sinn ergibt .

    Heutzutage erwartet man über 200 PS , was mit Drehzahlen von teils über 14 000 U/min erreicht wird - wo dann der Drehmomentzenit bei 11 000 U/min und drüber liegt !

    Wenn man jetzt noch sehen muß , daß viele Hersteller auch noch die Lärmfetischisten mit ihren Serienmaschine durch Klappenauspuffsysteme an Land ziehen wollen - wundern wir uns als Motorradfahrer , daß wir nirgendwo mehr gern gesehen sind .

    Die BMW 1200 GS -Bj. 2010 oder 2012 - meines Schwagers war im Stand jedenfalls gefühlt mindestens doppel so Laut wie die BMW 1200 GS meiner Frau von 2005 !

    Anscheinend macht auch der Lärm schneller - sonst würden nicht so viele ihr Moped am Drehzahllimit bewegen .

    In jedem Fall bring das Kurvenschneiden in den Alpen einen enormen Zeitvoteil , sonst wurden mir dort heutzutage nicht so viele auf meiner Fahrspur begegnen !

    Viele Beschränkungen und Streckensperrungen sind daher eigentlich nur die Quittung unseres Verhaltens gegenüber unseres Umfeldes !

    Gruß Kurt

  • Das sehe ich ganz genau so. Dem Tourismus werden diese Einschränkungen ganz gewiss nicht schaden.


    Das Klientel in z. B. Gröden hat sich in den letzten Jahren ganz beeindruckend geändert. Auf Motorrad- oder Sportwagenfahrer, die dort auf ihrer Durchreise mal kurz eine Kaffee- oder Pastapause machen, ist man schon lange nicht mehr angewiesen. (Vermögende) Gäste aus dem nahen und fernen Osten bringen bisher unbekannte Geldsummen ins Tal.


    Verkehrskollapse passen auch überhaupt nicht in ein UNESCO-Weltnaturerbe-Gebiet. Auch um diesen Status zu behalten, müssen Politiker und Gastronomen aktiv werden.

    Motorprosa • Geschichten aus der Kurve
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